the way is the goal

Diary 26. June 2011


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Costa Rica

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Hoffentlich wirds nicht noch tiefer!

Wir hatten gehört, dass man am Hauptgrenzübergang von Nicaragua nach Costa Rica häufig mehrere Stunden in Warteschlangen verbringen muss. Also machten wir uns auf einiges gefasst und planten viel Zeit für den Grenzübertritt ein. Entgegen unseren Befürchtungen verlief aber alles zügig und problemlos.

Nach der Grenze fuhren wir auf direktestem Weg nach Liberia, denn wir waren gespannt, ob das Paket mit Rebecca's Schaltseil bereits angekommen ist. Leider war aber noch keine Post aus der Schweiz eingetroffen. Wir blieben einige Nächte in der Stadt und jeden Morgen war der Gang zur Poststelle das Erste, was wir unternahmen. Jeden Tag aufs Neue teilte uns der gleiche Postangestellte mit, dass noch nichts für uns eingetroffen sei. Zusätzlich zu dieser Enttäuschung hatten wir in den ersten Tagen im reichsten Land Zentralamerikas mit einer Art „Kulturschock“ zu kämpfen. Zwar war alles modern und gepflegt und in den Läden alles zu finden, dafür stiegen aber unsere täglichen Ausgaben sprungartig an. Der Höhepunkt war erreicht als 4 Äpfel über 4 Franken kosteten. Wir mussten uns nach monatelangem unbekümmertem Geldausgeben erst wieder daran gewöhnen, auf die Preise zu achten und die Menükarte vor dem Bestellen genauer zu prüfen.


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Während unserem Aufenthalt in Liberia verkürzten wir unser Warten mit einem Ausflug, den wir zusammen mit einem anderen Schweizer Päärchen unternahmen, welches wir im Hotel kennenlernten hatten. Wir mieteten ein Auto und fuhren zum nahegelegenen Nationalpark Rincon de la Vieja. Die Wanderung am Fusse des aktiven Vulkanes, führte uns an blubbernden Schlammlöchern und heissen, dampfenden Quellen vorbei.

Da am nächsten Tag das Paket noch immer nicht angekommen war und das Wochenende vor der Tür stand, beschlossen wir unsere Reise trotz fehlendem Ersatzseil fortzusetzen. Wir besorgten aber noch eine Gitarrenseite, und hofften, dass wir im äussersten Notfall damit noch etwas basteln könnten. Der nette Postangestellte der jeden Tag unsere enttäuschten Gesichter gesehen hatte, war sofort bereit, das Paket bei Eintreffen umgehend nach San Jose weiterzuleiten.

Bevor es aber nach San Jose ging, machten wir einen Abstecher auf die Nicoya Halbinsel, um ein paar der schönsten Pazifikstrände Costa Ricas zu besuchen. Da die Küste im Norden hauptsächlich von grossen Hotelresorts verbaut ist, wählten wir den weniger gut erschlossen südlichen Teil der Halbinsel. Die Fahrt wurde recht abenteuerlich: Wir mussten Steigungen bewältigen, die jedes vernünftige Mass überstiegen, mehrere Flüsse durchqueren sowie einmal aufgrund fehlender Strasse über den Strand fahren bzw. stossen. Nun verstanden wir, warum in unserem Reiseführer steht, man solle diese Strecke nur mit Allradfahrzeugen befahren. Belohnt für diese Anstrengungen wurden wir mit kurzweiligen, aussergewöhnlichen Etappen und einigen der schönsten Strände, die wir bisher gesehen haben.


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Nach der Rückkehr aufs Festland, nahmen wir den langen Aufstieg nach San Jose in Angriff. Bei der Ankunft in der auf 1200m liegenden Hauptstadt, freuten wir uns über die merklich kühleren und erfrischenden Temperaturen. Wir staunten nicht schlecht, als das Thermometer einer Leuttafel tatsächlich noch 27 Grad anzeigte. In San Jose wurden wir von Edith, einer früheren Reisebekanntschaft von Rebecca, herzlich empfangen. Leider wurde die Ankunft getrübt, weil uns direkt vor der Haustüre, noch während dem Hallo sagen unsere Fähnchen gestohlen wurden. Bei Edith durften wir wohnen und wurden in ihrem Cafe mit Leckereien verwöhnt. Am nächsten Tag konnten wir auf der Hauptpost in San Jose voller Freude das langersehnte Paket aus der Schweiz entgegennehmen. Juhui jetzt können wir die letzten tapferen Schaltseilfasern in Rebi's Schaltung endlich erlösen. Der zweite Höhepunkt dieses Tages war, dass wir nach einer Fahrt kreuz und quer durch die Stadt sämtliche gestohlenen Fähnchen ersetzen konnten. Ein Geschäft hatte alle bis auf die Flagge von Mexico an Lager und um auch noch dieses letzte Fähnchen wieder ans Velo hängen zu können, liessen wir unsere Kreativität walten.

Nach einigen erholsamen und geselligen Tagen, verabschiedeten wir uns schweren Herzens von Edith (und ihrem feinen Essen ;-)) und machten uns ein letztes Mal auf in die Karibik. Der Weg dorthin stellte sich trotz mehrheitlichem Bergabfahren als extrem nervenaufreibend und anstrengend heraus, denn die enge Strasse wurde von unzähligen Lastwagen befahren, so dass für Velofahrer schlicht kein Platz mehr blieb. Wir waren froh, als wir gesund und unversehrt die Küste erreichten. Unsere letzten Tagen in Costa Rica verbrachten wir bei traumhaftem Wetter an den idyllischen Postkartenstränden rund um Puerto Viejo.
 
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Lukas Steiner  •  Grossacker  •  CH-3454 Sumiswald